Neujahrskonzerte 2014


Frank Michael Erben dirigiert zum vierten Mal unsere Neujahrskonzerte und hat die Herzen des Publikums auch als Violinvirtuose gewonnen. Als Fünfjähriger erhielt er erste Ausbildung am Instrument. Er studierte an der Hochschule „Felix Mendelssohn-Bartholdy“. Seit 1987 Erster Konzertmeister des Gewandhausorchesters und seit 1993 Primarius des weltberühmten Gewandhaus-Quartetts, wurde er 2009 gebeten, auch das Leipziger Symphonieorchester zu leiten.

Kammersängerin Romelia Lichtenstein, Sopran, in Bulgarien geboren, in Rostock aufgewachsen, gehört dem Ensemble der Oper Halle an und wird ebenso auf internationalen Bühnen gefeiert: In der Semperoper Dresden, in Graz, Wiesbaden, Karlsruhe, in der Komischen Oper Berlin, in der Berliner Philharmonie, in Wien, Madrid und Stockholm... Mit ihren virtuosen Koloraturen und ihrer dramatischen Gestaltungskraft ist sie prädestiniert für die Arien der Castadiva (Norma) und der Lady (Macbeth). Mit gleicher Brillanz gestaltet sie Operettenarien wie Einer wird kommen und Rheinwalzer.

Sebastian Fuchsberger, Tenor
Nach dem Studium in Wien war er Mitbegründer, Posaunist und Sänger sowie Komponist und Arrangeur des Ensembles „Mnozil Brass“. Das Ensemble gewann den Amadeus Award in der Kategorie Pop/Rock national und Gold Award sowie den Prix Pantheon. Er musizierte im Bühnenorchester der Wiener Staatsoper, bei den Wiener Philharmonikern, der Camerata Salzburg und bei den St. Petersburger Philharmonikern. 2008 hat er sich dem Gesang zugewandt und ist derzeit in zahlreichen Rollen der Musikalischen Komödie präsent - von Don Giovanni bis Zauberer von Oss - und auf Tourneen. Seit 2013 ist er Ensemblemitglied des Leipziger Opernhauses


Peter Bause wird zum dritten Mal unser Neujahrskonzert moderieren. Im Dramatischen Zirkel des Hauptpostamtes Magdeburg als schauspielerisches Talent entdeckt, zum Studium nach Leipzig delegiert, hat er sich zu einem der profiliertesten Schauspieler der Deutschen Demokratischen Repbublik entwickelt. Hunderttausende Theaterbesucher kennen ihn vom Deutschen Theater und vom Berliner Ensemble, Millionen sahen und sehen ihn in Film und Fernsehen. Mit 70 gönnt er sich erst recht keine Pause, tritt  fast täglich auf - in Berlin und von Thüringen bis Hamburg in Theater-Inszenierungen, mit dem „Kontrabaß“ und mit seinem Buch „Man stirbt doch nicht im dritten Akt!“

Rückblick:

Zweieinhalb tausend Besucher erlebten ein besonders beeindruckendes Konzert.

Con Takt hatte für den ersten Teil Ausschnitte aus den Opern Cavalleria rusticana, Norma, Macbeth und Nabucco gewählt. Das Orchester unter Stabführung von Frank Michael Erben interpretierte die Kompositionen in ausgezeichneter Qualität.

Kammersängerin Romelia Lichtenstein bewies in den Arien der Santuzza, der Norma und der Lady Macbeth ihre vielseitige, überzeugende Gestaltungsfähigkeit und bestand mit ihrem dramatischen Koloratursopran alle schwierigen Herausforderungen excellent.

48 Damen und Herren aus den Chören der Deutschen Staatsoper, der Deutschen Oper, der Komischen Oper Berlin und aus dem Chor >Art of Contrast< sangen den Osterchor aus Cavalleria rusticana, den Flüchtlingschor aus Macbeth und den Chor der hebräischen Flüchtlinge aus Nabucco. Der Damenchor begleitete Romelia Lichtenstein in der Arie der Norma >Casta Diva<. Dieses Chorensemble - einmalig in Berlin - wurde vor 18 Jahren durch Con Takt ins Leben gerufen. Zahlreiche Mitglieder der Chöre konnten sich dabei als Solisten vorstellen und ihre ausgezeichnete Ausbildung beweisen. Diesmal beeindruckte Olli Rantaseppä, Tenor im Chor der Deutschen Oper, mit der Arie des Macduff.

Der zweite Teil des Konzertes mit Franz Lehár, Johann Strauss und Karl Zeller erfreute die Liebhaber der Operette und erwies sich als eine wohltuende Ergänzung zum anspruchsvoll dramatischen Auftakt.

 


Zitate aus dem Programmheft

Cavalleria rusticana.
In der Kirche stimmt der Chor einen Psalm an. Der nüchterne und archaische Charakter des Chores entspricht dem harten, armseligen Leben. Er wandelt sich zu hymnischem Klang, während die Dorfbewohner sich zur Messe einfinden, denn es ist Oster-Sonntag-Morgen. 
Die junge Bäuerin Santuzza sucht Turridu, den  Vater des Babys, das sich in ihr regt. Er hatte, vom Militär heimkehrend, seine Braut Lola mit Alfio verheiratet angetroffen und bei Santuzza Trost gesucht. Nun aber ist Santuzza verlassen, nicht nur in einsamer Furcht, sondern wegen ihrer vorehelichen Schwangerschaft inzwischen auch moralisch in die Enge getrieben, leichtfertigem Verruf und Verachtung ausgesetzt. Sie darf die Kirche nicht mehr betreten.
Die Männer duellieren sich. Turridu wird dabei erschlagen.
In ihrem bescheidenen , ausdrucksstarken Gesang ruft sie Gott an - vergeblich. Auch Turridus Mutter bleibt nur, zu flehen: Aiutatela, voi, Santa Maria! - Steh’ gütig ihr bei, Mutter der Gnaden!


Ein individuelles, gar nicht seltenes Schicksal - genügend Stoff für eine Oper, die seit über hundert Jahren aufgeführt wird?
Wohl doch, wenn Romanautoren wie Giovanni Verga (I Malavoglia), Emile Zola (Germinal), Maler wie van Gogh (Die Kartoffelesser), Komponisten und Librettisten die gesellschaftlichen Hintergründe  durchleuchten  und für historischen Fortschritt eintre- ten. So auch in den Jahrzehnten nach Beginn des bürgerlichen und proletarischen Aufbruchs von Frankreich über Norditalien, wonach  schon bald europäische Großmächte, von vielen Menschen noch unbemerkt, auf Weltkrieg zusteuerten.

Pietro Mascagni war bis zum Entwurf seiner Oper ein noch unbekannter Mann von 26 Jahren. Obwohl Musikkritiker allerlei Einwände erhoben, rief das Publikum am Schluß der Uraufführung am 17. Mai 1890 in Rom den Komponisten sechzigmal auf die Bühne. Im Überschwang und in der Unerfahrenheit der Jugend hatte er humanistisch-revolutionäre Hoffnungen vieler Menschen und Ideen großer Geister dieser Zeit erfaßt. Ihm war ein Durchbruch gelungen zur veristischen Oper mit dem Vorsatz „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“.
Die Schöpfer solcher Werke wussten noch nicht, wie viele Menschen unter künftiger Zerstörung menschlicher Würde, ihrer Heimat und ihrer Existenz leiden werden.
Doch ihre Botschaft ist aktuell geblieben.

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Mit der Brief-Arie der Lady Macbeth, gesungen von KS Romelia Lichtenstein, dem Flüchtlingschor und der Arie des Macduff Oh meine Kinder prägte Verdis Oper den Gehalt dieses Neujahrskonzertes maßgeblich.

Aus dem Programmheft:

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Eine besondere Überraschung bereiteten Frank Michael Erben als Violinsolist und die Harfenistin Katrina Szederkenyi mit dem 3. Satz aus dem berühmten Klavierstück Claude Debussys "Clair de lune" - Mondlicht.

"Deine Seele ist eine erlesene Landschaft, wo zierliche Comedianten und Tänzer wandeln ... Alle singen in Moll über den siegreichen Amor und das angenehme Leben ..., als glaubten sie nicht an ihr Glück, und ihr Lied mischt sich mit dem Mondlicht ..." (Aus dem Gedicht von Verlaines, das zu vertonen Debussy angeregt hat).

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Der erste Teil des Neujahrskonzertes entsprach in seinem dramatischen Inhalt offenbar den Empfindungen sehr vieler Besucher, die keine von der Wirklichkeit ablenkende music-show hören möchten, sondern Weltliteratur, von großen Komponisten und Dichtern in ihrer Leidenschaft für Menschlichkeit und Fortschritt geschaffen.

Wenn Programmgestaltung diesem Anliegen folgt, entsteht auch beim Wechsel der Genres kein Bruch. Nicht nur die Oper, auch die gute Operette und das gute Musical widerspiegeln soziale Wirklichkeit und können anregen, bewegen und beglücken.

„Hast du dort oben vergessen auf mich?“ – die Arie des Alexej in einsamer Fremde sang Sebastian Fuchsberger. „Es sehnt doch mein Herz auch nach Liebe sich. Du hast im Himmel viel Engel bei dir. Schick doch einen davon auch zu mir...“ – Franz Lehárs „Der Zarewitsch“ mit dem Libretto von Jenbach und Reichert ist durchaus nicht so entfernt vom Heute, wie manch prinzipieller Operettenkritiker meint. Er hat wenig von beschwingt-kitschiger Operettenseligkeit. Es ist die sensible Sicht auf die Tragödie eines Mannes, dessen privates Glück auf dem Altar der Staatsräson geopfert wird. Manch ein junger, vermeintlich pflichtbewusster Patriot würde Lehar zustimmen, wenn er ihn seinem Ohr gönnte.

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