Gedanken zur Opern und Operetten Gala 2020

Wenn der Beifall verklungen ist, kommt Hoffnung auf,

-  dass das Publikum sich nicht gelangweilt hat beim fünfundzwanzigsten Neujahrskonzert, auch wenn es
noch  einmal Opern- und Operetten-Gala hieß, weil Con Takt ja nicht vor Februar den Großen Saal des Konzerthauses haben konnte,
-  dass Freunde des flotten Rhythmus die Kritik Alexander Puschkins und Pjotr Tschaikowskys an Eugen Onegin
nicht zu belastend empfunden haben mögen,
-  dass auch der schärfste Kritiker der „zu leichten Muse“ den Satz anerkennt: “Es kommt wohl darauf an,
was man mit der Operette macht“. Eben dieser Satz gilt ja auch für die Opern-Ausschnitte.

Also schien uns nicht nur gewagt, sondern auch berechtigt zu sein, nach Tatjanas Liebeserklärung an den
Petersburger Sohn aus “besserem Hause” und nach der kritischen Ansprache des im Kampf gegen  
Napoleons Armee bewährten Fürsten Gremin an dieses “verwöhnte Kind des Luxus und der Launen”
auch das Duett “Ich setz’ den Fall” von Carl Millöcker folgen zu lassen.
Wohlklingende Gewissens-Ratschläge aus  “großer” und  “kleiner Oper“ ergänzten einander - hilfreich auch
für junge Leute von heute, die oft noch “aneinander vorbeifühlen” oder unehrlichen Tricks zum Opfer fallen.
Unentbehrlich auch die Erfahrung Gremins in seiner Arie >Ein jeder kennt die Lieb’ auf Erden< : 
“Die Wonnen der Liebe beglücken gleichermaßen die Menschen, die in der Blüte der Jugend stehen und deren  
Augen sich der Welt erst öffnen und auch den ergrauten Krieger, der durch Erfahrung gereift ist. Mein Leben zog trübe dahin neben schmeichlerischen Sklavenseelen und frommen Koketten, in dieser bösen Leere von Berechnung in Gedanken und Worten. Da erschien Tatjana und erhellte das Leben wie ein Sonnenstrahl einen stürmischen Himmel.”

Wir teilen den Anspruch der Besucher, ein Konzert nicht etwa in eine Geschichts-Unterrichts-Stunde verwandeln zu wollen.
Große musikalische Werke sind jedoch entstanden, weil ihre Schöpfer nicht – wie oft dahergesagt - nur
geniale melodische Eingebungen hatten, sondern weil sie von menschlichen Schicksalen bewegt und sich ihnen  verpflichtet fühlten. Dies zu entdecken, sehen wir als unentbehrlichen Gewinn aus dem künstlerischen Genuss.
Dieses Konzert half uns nachzuvollziehen, wie beeindruckt Peter Tschaikowsky von Alexander Puschkin gewesen ist, bevor er für seine Oper diesen seinen Stoff wählte: Das Versepos über die Lebenshoffnungen und die gegensätzliche Wirklichkeit im zaristischen, sozial zerstörten, vorrevolutionären Russland im zu Ende gehenden XIX. Jahrhundert.

Während der Tenor J.W. Mitchell  >Nessun dorma< sang, vernahmen wir auch noch einmal, wie Giacomo Puccini damit kurz nach dem Ersten Weltkrieg in der berühmten Arie “Keiner schlafe!” vor der schon offensichtlichen Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges warnte und aufrief, dem Mut des Prinzen Kalaf zu folgen und zu kämpfen, “bis die Nacht entweiche und der Tag ersteh’ ...“

Wir danken mehr als zweitausend Konzertfreunden für das lebhafte Echo zur Gala mit reichhaltigen Vorschlägen,>für Ihre Buchung zum Klavier-Recital >Ein Jahrhundert brasilianische Musik< mit Sonia Rubinsky im April 2020, zu >Enoch Arden< im November 2020 und für Ihre frühzeitigen Voranmeldungen zur Gala am 7. Februar 2021, die wir gleichzeitig mit Freude vorbereiten.



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