Neujahrskonzert am 20. Januar 2013 Konzerthaus Berlin

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Neujahrskonzerte dieser Reihe im Grossen Saal am Gendarmenmarkt haben seit 19 Jahren ein treues Stammpublikum und ziehen immer neue Besucher an. Anspruchsvolle Kenner der Oper, der Operette und des Musicals erleben hier bekannte und junge Solisten und eine einzigartige Chorformation aus den drei grössten Opernhäusern Berlins. Freunde schöner  Musik geniessen vertraute Melodien und eine heitere Moderation, um auch Ursprung und Inhalt der Werke noch besser zu verstehen.

Auch in diesem Neujahrskonzert überschritten wir bewusst Genregrenzen und orientierten uns nicht allein an dem bekannten Slogan "Schöne Melodien gefragt". Ausschnitte dramatischer Opern und schwungvolle Fröhlichkeit der Wiener Operette lassen sich durchaus zu einem bewegenden und begeisternden Musikerlebnis vereinen.

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Das Leipziger Symphonieorchester ist Partner der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Es prägt mit seinem breit gefächerten Repertoire seit 50 Jahren in hohem Maße das Musikleben seiner Region und gastiert in Konzertsälen und Festivals in Europa, im Fernen Osten und in Südamerika.

Chefdirigent Frank Michael Erben ist seit 1987 Erster Konzertmeister des Gewandhaus-orchesters und seit 1993 Primarius des traditionsreichen Gewandhausquartetts - ein Musiker der Weltklasse.

Kammersängerin Romelia Lichtenstein begrüssten wir zum ersten Mal im Konzerthaus Berlin. In Bulgarien geboren, in Rostock aufgewachsen, als Kinderkrankenschwester bewährt, als Talent entdeckt, an die Hochschule in Leipzig zum Gesangsstudium delegiert - gestaltet sie in Opernhäusern und Konzertsälen vieler Länder mit ihrem ausdrucksstarken Sopran, ihrer Spielfreude und Bühnenpräsenz die anspruchvollsten Rollen bis zur Königin der Nacht.


Einer unserer Publikumslieblinge war zum dritten Mal dabei: Der britische Tenor Hugo Mallet, Absolvent des „Royal Northern College" in Manchester und Schüler berühmter Meister. Man glaubt ihm, dass er auch in englischen Punkbands Erfolg hatte.
Seine Konzert- und Operntätigkeit führte ihn u. a. nach Paris, Dijon, Rouen, Singapur, Luzern, Moskau und Berlin.

Der hochrangigen musikalischen Besetzung angemessen, führte der bekannte Schauspieler Peter Bause durch das Konzert. Hunderttausende Theaterbesucher kennen ihn vom Deutschen Theater und vom Berliner Ensemble, Millionen aus Film und Fernsehen.

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Das Orchester stimmte das Publikum ein mit der Ouvertüre zur Oper "Die diebische Elster" von Gioachino Rossini. Die Oper, im Jahr 1817 an der Mailänder Scala uraufgeführt, bezieht sich auf das französische Melodram "La Pie voleuse, o la Servante des Palaiseau" und handelt in einem Dorf in Piemont 1796/1797 während des napoleonischen Italienfeldzuges.

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So führte diese Komposition an die Ereignisse heran, denen der französische naturalistische Dramatiker Victorien Sardou den Stoff zu seinem Theaterstück "Tosca" entnahm und widmete. Als die grosse Schauspielerin Sarah Bernhardt 1989 in Mailand ihre unnachahmliche Fassung dieses Dramas präsentierte, saß im Publikum ein junger Komponist mit dem klangvollen Namen Giacomo Antonio Domenica Michele Secondo Maria Puccini. Obwohl er erst die eigene Enttäuschung über seine erfolglose Oper "Edgar" zu überwinden hatte und mit "Manon Lescaut" und "La Boheme" wieder zu vollem Selbstvertrauen zurückfand, hatte er wohl doch sofort die Möglichkeit erkannt, mit "Tosca" eine grosse veristische Oper zu schaffen.

Giacomo Puccini war der Realität seiner Zeit besonders nahe. Ihn faszinierten Menschen, die in tiefempfundener Liebe und logischer Konsequenz für gesellschaftlichen Fortschritt eintreten und sich der Reaktion nicht ergeben. Das bewegte ihn, wie man dem Schriftwechsel mit seinen Librettisten entnehmen kann, auch bei der Wahl und bei der Arbeit an "Turandot", nachdem er gesehen hatte, welches explosive Gemisch in Europa nach dem Ende des ersten Weltkrieges schon wieder gebraut wurde, um die nächste Katastrophe herauf zu beschwören.

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Kammersängerin Romelia Lichtenstein sang mit ergreifender Leidenschaft und wunderbarer Stimme die große Arie der "Tosca": Nur der Schönheit weiht' ich mein Leben, einzig der Kunst in Liebe ergeben. Mit offenen Händen gab ich für Arme barmherzige Spenden. Mit echter Demut ging ich zur Kirche und sandte mein Gebet empor zu Gott, und mit der gleichen Demut weiht' ich Blumen dem Altar... Meine Juwelen habe ich der Kirche gegeben, mit meinem Singen wollt' ich der Menschen Herzen zu dir wenden. Nun richtet eine Stunde mein armes Herz zugrunde. Warum, mein Gott, suchst du mich heim so schwer?

Floira Toscas Arie enthält alle Facetten der menschlichen Leidenschaft, ihrer Liebe zum Maler Mario Cavaradossi, ihres ehrlichen Glaubens und zugleich der Sehnsucht eines ganzen Volkes nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, angefacht durch die bürgerlichen Revolutionen, besonders in Frankreich.

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Im Rom der Jahre 1796 bis 1800 brodelte es politisch. Die durch die Intervention des Napoleonischen Heeres möglich gewordene, von den Jakobinern ausgerufene Römische Republik konnte den mit allen Mitteln um ihr Überleben ringenden Monarchien und der Macht des Papstes nicht widerstehen, nachdem Napoleon weiter gezogen war nach Ägypten.

In unserem Konzert deutete sich vor den beiden Arien während der Kantate an, daß Baron und Polizeipräsident Scarpia als Vollstrecker der Inquisition keine Skrupel hatte, Angelotti, den Konsul der Republik, und seinen Freund, den Maler Mario Cavaradossi - wie viele andere - umzubringen. Die Sängerin Floria Tosca sollte ihm dabei Komplizin und sexuelles Opfer werden. Die Tosca aber ließ sich nicht mißbrauchen und sah sich schließlich zum Äußersten gezwungen, den Tyrannen zu töten und selbst den Unterlegenen der Revolution in den Tod zu folgen.

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Hugo Mallet sang die Arie des Cavaradossi Und es blitzten die Sterne, und es dampfte die Erde, die Tür des Gartens knarrte. Es nahten heimlich die Schritte ... Sie kam wie Duft von Blumen. Und sie lag mir im Arme. O süsse Küsse, Zärtlichkeit und Kosen, wenn ich im Taumel der schönen Reize Schleier dir dann löste ... Für immer ist der Liebe Traum verflogen.Vorbei ist alles, ich sterbe in Verzweiflung. Noch niemals hab' ich so geliebt das Leben.

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An der Fortsetzung des Rückblickes wird gearbeitet.


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Ort:

Konzerthaus Berlin
Gendarmenmarkt 1 
10117 Berlin

http://www.konzerthaus.de

 

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